Der Kodex — Grundsätze in sechs Abschnitten
Der nachfolgende Kodex regelt, was sich schwer regeln lässt: gutes Roleplay. Er ist keine Serverregel, denn es gibt keinen Server, den wir bestätigen könnten. Er ist eine Haltung, abgeheftet in sechs Abschnitten.
§ 1 Geltungsbereich
Dieser Kodex gilt für alle Personen, die Roleplay als das behandeln, was es in der deutschen Whitelist-Tradition seit jeher ist: gemeinsames Erzählen mit Regeln, Geduld und einem gewissen Ernst. Er gilt nicht für Personen, die unter Roleplay das Anschreien von Passanten verstehen. Für diese Personen gilt Feld 12. Feld 12 existiert nicht. Der räumliche Geltungsbereich umfasst den gesamten Bundesstaat Leonida, einschließlich der Landesteile, die noch niemand betreten hat.
§ 2 Trennung von Person und Figur
Die Figur ist nicht der Spieler. Was der Figur widerfährt, widerfährt nicht dem Spieler, und was der Spieler weiß, weiß die Figur noch lange nicht. Wer diese Trennung sauber führt, führt saubere Akten. Konflikte im Spiel bleiben im Spiel; wer sie nach draußen trägt, hat den Vorgang nicht verstanden. Die Registratur empfiehlt, Ärger wie Schriftverkehr zu behandeln: erst ablegen, dann abkühlen lassen, dann meist gar nicht mehr erforderlich.
§ 3 Kenntnisstand der Figur
Eine Figur weiß, was sie erlebt, gehört und erfragt hat. Sie weiß nicht, was in einem Stream, einem Forum oder einem Discord besprochen wurde. Wissen aus fremden Quellen in die Spielwelt zu tragen, nennt die Szene Metagaming; die Registratur nennt es Aktenfälschung. Beides wird ungern gesehen und beides fällt auf. Im Zweifel gilt der einfache Grundsatz: Was die Figur nicht selbst erlebt hat, hat sie nicht erlebt.
§ 4 Verhältnismäßigkeit der Mittel
Niemand gewinnt ein Roleplay. Wer seiner Umgebung Handlungen aufzwingt, ohne ihr eine Reaktion zu lassen, betreibt Powergaming und verwechselt Erzählung mit Verwaltungsvollzug. Eine Figur, der eine Waffe ins Gesicht gehalten wird, verhält sich entsprechend — das nennt sich Fear-RP und ist keine Schwäche, sondern ordentliche Buchführung über die eigene Sterblichkeit.
§ 5 Der Charakter als Akte
Ein guter Charakter ist eine gepflegte Akte: Herkunft, Motiv, Schwächen, offene Vorgänge. Er hat schlechte Tage, ein löchriges Gedächtnis und Ziele, die er vermutlich nicht erreicht. Makellose Figuren sind für das Whitelist RP so brauchbar wie leere Formulare — formal korrekt, inhaltlich wertlos. Spielt die Niederlage. Sie ist der interessanteste Teil des Vorgangs.
§ 6 Schlussbestimmung
Dieser Kodex tritt in Kraft, sobald es etwas gibt, worauf er angewendet werden kann. Bis dahin gilt er vorsorglich. Änderungen bedürfen der Schriftform, die Schriftform bedarf der Entsiegelung, und die Entsiegelung bedarf des 19. November 2026. Die Reihenfolge ist der Registratur bekannt und wird eingehalten.